Wir über uns
Durch mündliche Überlieferung des Herrn Heinrich Plankenbüchler ist bekannt, dass die Urzelle der „Dramatischen Sektion“ die sogenannte „Brettlbühne“ war, die schon vor 1893 in Stockerau bestand und deren Gründer und Obmann Herr August Seifert war.

Diese Brettlbühne spielte damals hauptsächlich Einakter im früheren Gasthof Frühwirt am Bahnhofplatz ( jetzt Fa. Sommer-Loley)

Die Mitglieder dieser Bühne wechselten dann in zwangloser Form zum 1893 gegründeten „Arbeiter Sängerbund“ über, der dann anlässlich einer Statutenänderung im Jahre 1901 ( siehe Starzer – Geschichte Stockerau`s) über Vorschlag des Herrn August Seifert eine Untergruppe, die „Dramatische Sektion“ gründete.

Der Name „Dramatische Sektion“ entstand also im Jahre 1901 – vor 100 Jahren!

Erster Obmann und zugleich Regisseur dieser Theatergruppe war Herr August Seifert, unterstützt von den Herren Fritz Burger, Adolf Lasser und Johann Würfel.

Als Darsteller standen zur Verfügung: Johann Kopetzky, Johann Seidl, Josef Fischer, Josef Steindl, Josef Zadracil, Leopold Krejicy, sowie die Damen Seifert, Linhart, Seidl, Berger u.v.a.m.

Gespielt wurde damals im ehemaligen „Caffee Salventer“ am Kochplatz ( heutiges „Cafe Shakespeare“) und im Kinosaal Giugovaz.

Später, um 1920, übersiedelte man in die Schießstätte, einen Saal der am Areal des heutigen SC Tennisplatzes bestand und der wegen Bombeneinwirkung im Jahre 1945 abgetragen wurde.

Gespielt wurden hauptsächlich Stücke von Ludwig Anzengruber wie, „Der Meineidbauer“, oder „Das vierte Gebot“ unter der Regie von Josef Zadrazil.

Nach dessen Ausscheiden übernahm die Obmann - und Regisseurstelle Herr Heinrich Plankenbüchler. ( um 1924 )

Von da an spielte man im Kinosaal Lutz. Herr Karl Lutz sen. war ein überaus eifriger Förderer der „Dramatischen Sektion“. Er, selbst Künstler, schuf die herrlichsten Dekorationen für die diversen Theaterstücke. So kam es, dass außer den normalen Volks - und Lustspielen auch Stücke von Henrik Ybsen, Friedrich Schiller,

Hermann Sudermann usw. über die Bretter gingen.

Friedrich Schiller`s „Die Räuber“ war der Höhepunkt!

Aber auch die Operette wie z.B.. Der „Fidele Bauer“ hielt ihren Einzug.

Um 1937 stand die „Dramatische Sektion“ unter der Patronanz des „Clubs Österreichischer Konsumgenossenschaften“.

1938 übernahm Herr Leo Nowatschek Obmann und Regiestelle.

Zu Beginn des 2. Weltkrieges fanden noch vereinzelte Aufführungen unter dem geänderten Namen „Laienspielgruppe Stockerau“ statt.

Nach 1942 kam die Vereinstätigkeit völlig zum Stillstand. Aber schon unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg ging wieder eine unentwegte Schar von Enthusiasten daran, wenn auch unter den schwierigsten Bedingungen, die Spieltätigkeit aufzunehmen. Trotz oder gerade wegen der Zensuren der Besatzungsmacht wurde Theater gespielt und konnte so in der schweren Nachkriegszeit vielen Bewohnern Stockeraus und der Umgebung Aufmunterung und Ablenkung vermittelt werden.

Ab 1946 war die „Dramatische Sektion“ der SPÖ Stockerau angegliedert bzw. dem „Arbeiter – Sängerbund“.

Obmänner und Regisseure waren zu diesem Zeitpunkt die Herren Heinrich Plankenbüchler, Ernst Kunze und Leo Nowatschek.

Noch immer war die Theatergruppe eine Sektion des „Arbeiter –Sängerbundes“, jedoch schon lange in selbstständiger Losgelöstheit.

Die Aufführung des Schauspiels „Jedermann“ von Hugo von Hoffmannsthal vor der barocken Stadtpfarrkirche in Stockerau im Jahre 1950 war wieder ein Gipfel in der Leistung dieser Theatergruppe! Regie führte damals Franz Havelka – späterer Sprecher des ORF. Die Oberleitung hatte Gustav Wallisch. Initiator dieser Aufführung war Kurt Obermeier.

1951 unter dem Obmann Franz Lang führten die Herren Ernst Kunze, Leo Nowatschek und Fritz Bednar Regie.

Am 19.06.1952 wurde mit einem Bescheid der Sicherheitsdirektion Niederösterreich dem Verein „Dramatische Sektion Stockerau“ die Eigenständigkeit erteilt. Operetten, Lustspiele, Schwänke, Volksstücke usw. kamen wieder in das Programm. In den darauffolgenden Jahren drängten dann viele jüngere Vereinsmitglieder nach vorne und übernahmen Führung und Regie.

Von 1958 bis 1962 war Herr Hermann Heher Obmann des Vereines,

Regie führte Herr Erwin Runa. So kam es, dass neben den herkömmlichen Stücken, auch Stücke moderner Autoren, wie z.B..„In einer kleinen Pension“, „Die liebe Familie“ , oder „Das kleine Teehaus“ zur Aufführung gelangten.

Von 1963 bis 1972 gab es immer wieder Wechsel in der Führung des Vereines, unter anderem waren Obmänner die Herren Fritz Wogritsch

Kurt Gschlad, Franz Bartl, Norbert Hauke. Durch viele Jahre führte Herr Erwin Runa Regie, aber auch die Herren Hermann Heher, Kurt Gschlad Franz Kucera und Alois Ehmoser versuchten sich in dieser Sparte.

Trotz diesem oftmaligen Wechsel in Regie und Obmann, oder gerade deswegen, wurde immer Ersprießliches geleistet. Stücke wie „ Die unentschuldigte Stunde“,“ Volk am Kreuz“, „ Hurra ein Junge“, „Erde“, „Bruder Martin“, u.v.a.m. standen am Theaterzettel. Daneben wirkten die Mitglieder der „Dramatischen Sektion“ durch viele Jahre sehr ambitioniert bei den „Stockerauer Freilichtspielen“ mit, man denke nur an „Die Lerche“, „Lumbazivagabundus“, „ Ein Sommernachtstraum“, usw.

Ab 1973 bis 1978 gelingt es erstmalig einer Frau die Obmannstelle inne zuhaben. Frau Hedwig Gschlad. Regie führten die Herren Kurt Gschlad, Franz Bartl und Alois Ehmoser.

Zur Aufführung gelangten unter anderem „Das entweihte Haus“, „Charlys Tante“, „Der Hof der Verdammten“, u.v.a.m.

Die Aufführungen fanden und finden jeweils im Volksheim Stockerau am Bahnhofplatz statt. Aus dem Jahresbericht 1973 und damit dem 80. Bestandsjahr dieser Laienspielgruppe geht hervor, dass dieses Jahr im Zeichen besonderer Öffentlichkeitsarbeit stand. Auch wurden die guten Dienste des Vereins immer wieder im Rahmen der Muttertagsfeiern der „Volkshilfe Stockerau“ in Anspruch genommen.

Auch zu den jährlichen Weihnachtsfeiern dieser Einrichtung trug die „Dramatische Sektion“ immer wieder ihr Schärflein bei. So spielte man z.B. ein Volksstück nach einer russischen Novelle „Besuch im Dorf“- ein Weihnachtsstück besonderer Art, das die Bedeutung der Versöhnung und Vergebung im menschlichen Leben in den Mittelpunkt stellt.

Auch zu der vom 29.08. - 09.09.1973 durchgeführten Ausstellung

„80 Jahre Stadt Stockerau“ leistete der Verein einen interessanten Beitrag. Einen Höhepunkt des öffentlichen Erfolges stellte die Mitwirkung beim Festzug dar. War doch die Darstellung der Festtafel aus dem Schauspiel Hugo von Hoffmannstal „Jedermann“ mit viel Geschick auf einem Großhubstapler der Firma Frischeis montiert.

Dies war eines der meistfotografiertesten Objekte des Festzuges!

Daneben muss aber auch erwähnt werden, dass es Mitglieder der „Dramatischen Sektion“ waren, die mehr als 100 Personen in traditionelle Kostüme kleideten und dafür verantwortlich waren, dass diese große, bunte Schar an Rittern, Edelmännern, Preußen, Russen,

Hugenotten usw. im Festzug zur Geltung kamen.

Im Jahre 1979 wird Herr Franz Bartl Obmann, Regisseure sind die Herren Alois Ehmoser, Kurt Gschlad, Leopold Krammer.

Zur Aufführung kam u.a. „Boing Boing“, „Das vierte Gebot“, “Liliom“, „Ein Inspektor kommt“.

Unter der Führung des Obmannes Franz Bartl kam es auch zu Ehrung einiger Mitglieder. Es wurden durch die Verleihung der goldenen Ehrennadel folgende langjährige Mitglieder geehrt:

Die Damen Theresia Bartl, Hedwig Gschlad und Leopoldine Wieneritsch , sowie die Herren Alois Ehmoser, Hermann Heher, Kurt Frittum, Franz Bartl, Kurt Gschlad und Erwin Runa. Ehrenmitglied war Frau Maria Paulus.

1981 gab es das „Theater am Bauernhof“ der Gemeinde Spillern, bei dem das Ensemble der „Dramatischen Sektion“ mitwirkte. Gespielt wurde unter der Regie von Alois Ehmoser „Der Weibsteufel“,1982 „ Brautfahrt zu Petersburg“. Daneben gab es auch Aufführungen für den Konsum und im Kolomansheim. Rezitationen bei Ausstellungseröffnungen und Mitwirkung bei den Adventfeiern der Stadtgemeinde gehörten zum Repertoire des Vereines.

Ab 1983 führte Frau Relly Bartl Regie. Zur Aufführung gelangten Lustspiele wie „Schwindel mit Herz“, oder „ Es geschah um 7.50Uhr“. Auch folgten oftmals Aufführungen mit Kindern, vor allem zu Weihnachten wie z.B.. „Ein Weihnachtslied der ganzen Welt“, Regie führte Werner Artacker.

1985: Bisher wurde die Probentätigkeit in diversen Lokalen abgehalten, nun wurde eine Übersiedlung in das alte stillgelegte „Gasthaus zum Roten Hof“ (heute Kaufhaus Mondo) in die Wege geleitet. Seit 1988 ist nun Herr Wilhelm Lendl Obmann des Vereines, sein Stellvertreter Herr Franz Kickenweitz, der auch seither für das jeweilige Bühnenbild verantwortlich ist. Diesen beiden Herren gelang es 1989, nach langen Beratungen und Besprechungen mit dem Bürgermeister Herrn Leopold Richentzky ein neues Clubheim für die weitere Zukunft des Vereines im Nimschhof, Ed. Röschstraße 1 zu erlangen.

Ab diesem Zeitpunkt kann die Probentätigkeit in völliger Ruhe und ohne Störung vorgenommen werden. Und somit setzte ab 1990 wieder eine rege Vereinstätigkeit ein. Regie führte Relly Bartl . Zur Aufführung gelangte: „Der flotte Jonathan“, „ Liebe und Blechschaden“. Das Kindertheater wurde unter der Regie von Wilhelm Lendl reaktiviert.

Eine Benefizveranstaltung für den Lyonsclub fand statt.

Ab diesem Zeitpunkt gab es verschiedene Regisseure wie auch Herrn Kurt Gschlad. Zur Aufführung gelangte z.B.. „Der Heitatsschwindler“, „Immer wieder diese Aufregungen in dem Haus“, „Der Peter schupft alles“, „Alois wo warst du heute Nacht“. Das Kindertheater zeigte: „Lisa und das Christkind“, „ Ali und der Zauberapfel“, „Dornröschen“, „Die Schwammerlkönigin und der Ziegenhirt“, „ Der Froschkönig“.
100 Jahrfeier – Verein und Stadtgemeinde 1893/1993

In mehr als 500 Arbeitsstunden wurde für den Festumzug ein Fahrzeug unter dem Arbeitstitel „Die Gigerln von Wien“ gestaltet.

Damit konnte der Verein den II. Publikumspreis erringen.

In einem großen Planenwagen der Firma Moser wurden auf dem Platz vor der CA 4 Sketches mit großem Publikumsinteresse dargeboten.

Zu den üblichen Terminen wurde unter der Regie von Käthe Puff und Kurt Frittum gespielt: „Liebe und Krach im Pulverfass“, „Rendezvous im Bauernkasten“, „ Heini das Urviech“, „Hurra Zwillinge“.

Die Kindergruppe spielte „ Das Wunderelixier“.

Für die Krebsforschung des St. Anna Kinderspitals fand eine Benefizvorstellung statt und es konnten S 50.000.--- übergeben werden.

Ab 1996 versuchte sich auch Gerhard Hammerl als Regisseur. Gespielt wurde: „ Möglich ist alles“. „ Marsch hinein ins Eheglück“, eine Benefizvorstellung für die „Freiwillige Feuerwehr Stockerau“ fand statt. Übergeben werden konnte ein Betrag von S 30.000.---

Unter der Regie wurde 1997 gespielt: „Briefwechsel“, „Die Millionentante“. Die Kindergruppe unter der Regie von Toni Hinterhauser spielte: „Auf der Suche nach dem verlorenen Lächeln“. 1998 erfolgte wieder eine Benefizvorstellung für das Behindertenheim in Oberrohrbach. In den Jahren 1998 – 2001 wurden unter der Regie von Käthe Puff folgende Stücke gespielt: „ Briefwechsel“, „Alles wegen einer Nacht“, „Die missglückte Hochzeitsreise“, „Zwischenfall im Paradies“, „Die Sopherl vom Naschmarkt“, „Julius auf Sexurlaub“, „Außer Spesen nichts gewesen“.

Für den Herbst 2001 ist das Lustspiel „ Der verheiratete Jung`gsell“ geplant.

In den letzten Jahren gelang es der Vereinsführung den größten Teil des Vereinslokales zu adaptieren und mit neuen Möbeln auszustatten, so dass sich die Mitglieder darin wohl fühlen können.

Die Mitglieder selbst sind gegen Unfall versichert und leisten jährlich einen Mitgliedsbeitrag in der Höhe von S 100.---

In den letzten Jahren wurden wieder einige der langdienenden Mitglieder geehrt und ihnen die goldene Ehrennadel des Vereines überreicht. Es sind dies: Christa Hammerl, Käthe Puff, Wolfgang Moravec, Frittum Kurt und Gerhard Hammerl. Ehrenmitglieder wurden: Walter Schindler und Erwin Runa. Letzterer kann bereits eine 53 – jährige Vereinszugehörigkeit aufweisen und führt seit vielen Jahren die Vereinskasse.

Bei jeder der vielfältigen Aufführungen besuchen uns mehr als tausend Besucher und die Vereinsführung hofft, dass auch in Zukunft das Interesse an den Aufführungen nicht nachläßt.

(Herausgeber „ Dramatische Sektion Stockerau“ f.d.I.v. Erwin Runa und Helene Kickenweitz, beide Stockerau).



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